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Angkor What?

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Die letzten Wochen verliefen recht zügig und flogen praktisch an uns vorbei. Angesteckt von dem deutlich schnelleren Reisetempo der Spezies sogenannter „Kurzreisender“ – unter die wir frecherweise zur Zeit alles unter zwei Monaten kategorisieren – ging es zügig voran.

In Phnom Penh treffen wir Melanies Bachelor-Freundinnen Sarah und Kerstin. Zuerst einmal wird ordentlich Sightseeing betrieben. Auf der einen Seite den königlichen Palast – wohl gemerkt die Klügsten im Touristengewerbe, denn hier stehen explizit Schilder, dass ein Tuch nicht zählt um die Schultern zu verdecken... aber hey, man kann ein hässliches T-Shirt kaufen! – und die vielen Gassen und Märkte der Stadt. Auf der anderen Seite aber auch ein Stück Geschichte. Die Geschichte über den Völkermord des Khmer Rouge Regimes in den 70ern bei dem ein ganzes Drittel der Bevölkerung grausam ermordet wurde. Von ihren eigenen Landsleuten. Wir besuchen die „Killing Fields“, heute nur noch eine Grünlandschaft, damals aber nur umgeben von ein paar Hütten, denn mehr brauchte man nicht um ganze Menschenmassen in Gruben zu erschlagen und diese dann zuzubuddeln. Grauenhafte Bilder schießen uns in den Kopf, während der Audioguide sehr mitfühlend berichtet, wovon sich auf diesen grünen Wiesen nichts mehr erahnen lässt. Ein bisschen fühlt man sich an die Schrecken der Konzentrationslager erinnert. Jedoch beschleicht einen das Gefühl, dass zwischen all dem Grauen eine Vergasung unter Vorgauklung einer Dusche irgendwie „besser“ ist, als auf einem Leichenberg mit einer Schaufel erschlagen zu werden. Grauen gegen Grauen, was tun Menschen sich nur an? Und wie geht es nach so etwas bloß weiter? Geschockt und interessiert in die Geschichte Kambodschas besuchen wir den nächsten Buchladen um diese Informationen und unsere Gedanken sortieren zu können... und davon (ganz bald) berichten.

Von Phnom Penh aus machen wir uns schließlich auf den Weg, die nicht wirklich geheimen Geheimnisse Kambodschas zu entdecken. Das heißt also: Tempel, Tempel, Tempel. Jedoch sind diese hier weniger ein religiöser Ausdruck, sondern viel mehr das Erbe uralter Geschichte und Kultur des kambodschanischen Volkes: der Khmer. Als heutige Metropolen wie London noch in den Windeln steckten, boomte das Reich der Khmer und in der Hauptstadt Angkor tummelten sich bereits eine Millionen Menschen. Im ganzen Land sieht man noch heute die Überreste dieser florierenden Zeit, die etwa vom 9. bis 15. Jahrhundert anhielt. Anders als den Kölner Dom, bauten die alten Khmer ihre Tempel scheinbar für die Ewigkeit, denn auch wenn hier und da fleißig restauriert werden muss ist der Zustand der Bauten auch bis zu 1000 Jahre später beeindrucken. Viele entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem wilden Mix aus Stilen und religiösen Anspielungen. Mal dominierte Hinduismus und mal Buddhismus. Der Fachmann kann hier (so erzählt man sich zumindest) Stunden verbringen, aber auch uns Leihen gefällt es ganz gut :)

Die berühmtesten von allen Tempeln der Khmer findet man wohl im alten Angkor, allen voran Angkor Wat – wobei „Wat“ übrigens einach nur „Tempel“ bedeutet. Mit einem drei-Tages Ticket machen wir uns auf, um dieses riesige Gebiet mit seinen weitaus mehr Bauten als nur Angkor Wat zu besichtigen. Jeden Tagestrip starten wir vom sehr touristischen, aber in der Nebensaison auch sehr gemütlichen Siem Reap, nur wenige Kilometer enfernt. Und während wir so umher wandern zwischen Säulen, durch Gänge, immer ein bisschen Slalom um die chinesischen „Fotouristen“ herum, fühlt Matthias sich immer kränker. Nun erwischt es ihn zum ersten Mal auf unserer Reise, nichts Wildes, wohl einfach dieses blöde schlapp-fühl Krankheitssympton, das uns aus dem fernen Kontinent Europa bekannt ist. Während er sich die nächsten Tage auskuriert, übt Melanie sich weniger in Krankenschwester-Qualitäten, dafür aber im professionellen Bringdienstgewerbe. So schlummert Matthias mit Speis und Trank gut versorgt und Melanie stromert in top Gesellschaft mit Sarah und Kerstin umher.

Doch schon bald ist es wieder Zeit sich zu trennen. Zusammen fahren wir noch mit einem Bötchen einen Teil über den Tonlé Sap (Sap = See) und dann durch die im Hochwasser entstehende Flusslandschaft von Siem Reap nach Battambang. Dort verabschieden wir uns von Sarah und Kerstin, die den Weg zurück nach Phnom Penh antreten. Es war schön, mal wieder bekannte Gesichter zu sehen, sich über gemeinsame Erinnerungen zu unterhalten und mal nicht auf Small Talk mit Fremden zurückgreifen zu müssen. Wir haben die Zeit mit den Beiden genossen und nun genießen wir es auch wieder ein Weile zu zweit zu sein. Für vier Tage nisten wir uns in Battambang ein und entschleunigen erst mal wieder – eben ganz die Welttronauten. Wir leihen uns Fahrräder, radeln zum (glücklicherweise) einzigen Weingut Kambodschas das wahrhaft gruseligen Fusel herstellt, plantschen im extra für die vielen Expatriats gebauten Freibad und existieren sozusagen einfach ein paar Tage vor uns hin.

Dabei überlegen wir uns natürlich auch wie es nun weiter geht. Wir haben bereits einen Flug, der aus dem Süden Vietnams herausgeht, wollen jedoch auf jeden Fall auch in den Norden Vietnams. Also beschließen wir, Kambodscha über den Nordosten nach Laos zu verlassen, uns in Laos gen Norden vorzuarbeiten und schließlich auf Höhe Hanoi nach Vietnam „überzusetzten“. Um dann noch genug Zeit für Vietnam zu haben – das Land für das wir am meißten geplant haben – müssen wir das Tempo wieder etwas anziehen und Kilometer zurücklegen. Dabei wird wohl doch wieder einiges in Kambodscha und Laos auf der Strecke bleiben. Immer wieder auf unserer großen Reise stoßen wir auf das Problem: wir haben so viel Zeit und wiederrum auch viel zu wenig. Wie lange braucht man, um ein Land wirklich kennen zu lernen? Oder um sich zumindest einen ordentlichen Eindruck zu verschaffen? Tage? Wochen? Monate? Ein Leben lang? Dazu kommt das wir zwei Welttronauten uns einen gemütlicheren Reisethythmus angewöhnen „mussten“. Immer auf zack wurde einfach zu anstrengend. Immer wieder nehmen wir uns ein paar Tage wie in Battambang und verbleiben einfach eine Weile an einem Ort. Auf der anderen Seite gibt es doch kein besseres Gefühl, als zu wissen, dass wir Monate umherreisen und trotzdem „nur“ so wenig sehen. Überall wo wir hinkommen wird unsere Reiselust mehr und mehr angestachelt, machen wir Pläne für die nächsten Jahre, wo wir noch hin wollen, was wir noch sehen wollen. Die Welt ist eben doch scheinbar endlos groß und unsere Welttronautenmission hat gerade erst begonnen. Diese Gedanken im Hinterkopf ist es eigentlich gar keine schlechte Idee, ein Land aus dem Bus heraus kennenzulernen. Legen wir auch große Strecken auf einmal zurück, sehen wir dabei doch so Allerhand. Etwa sechs Stunden dauert die Fahrt zurück zum Verkehrknotenpunkt Phnom Penh, wo wir eine Nacht schlafen und dann die etwa 12-stündige Fahrt (angekündigt waren nur 5 Stunden – jaja wer die Uhr lesen kann, ist klar im Vorteil) gen Nordosten, nach Kratie antreten.

Von Kratie aus machen wir mal wieder eine kleine Fahrradtour flussaufwärts am Mekong entlang bis zu dem Punkt, von wo Boote einen hinaus auf den von Hochwasser gefluteten und scheinbar endlos in die Breite gezogenen Fluss hinausfahren, um den seltenen Irrawaddy Delphin zu bestaunen. Den wahnsinnig schüchternen, fotoscheuen und so gar nicht zum Spielen aufgelegten Säuger sieht man nur aus der Ferne. Unsere Fotos stinken ordentlich ab, gegen die Bilder bekannter Suchmaschinen :) Trotzdem kommt wieder ein kleines Safari-Gefühl in uns auf, während wir die Wasseroberfläche absuchen und uns eben doch begeistern, wenn wir für wenige Sekunden einen Blick auf den flachen, runden Kopf und die großen Knopfaugen werfen können. Die Art lebt zwar nicht ausschließlich in Flüssen, ein paar Frischwasser-Fanatiker gibt es unter ihnen aber doch – im Mekong nur etwa 90 an der Zahl. Durch den Tourismus werden sie auf der einen Seite geschützt, denn Einheimische erkennen somit ihren Wert und jeder Bootsführer weiß, dass er nicht näher als 100m heranfahren darf. Die hauptsächliche Bedrohung kommt derzeit aber aus Laos, denn dort gibt es jede Menge Dammbauprojekte mit deren Energie Laos zur „Batterie Südostasiens“ werden will. Für die weiter unten liegenden Regionen am Fluss bedeutet dass jedoch einen grossen Einfluss auf das Ökosystem und des ansonsten wahnsinnig fruchtbaren Mekongs (mit der weltweit grössten Binnenfischerei). Dies wird Ernten, Fischerei und auch den Futterplan des Irrawaddy Delphins beeinflussen. Vielleicht werden Kambodscha und Vietnam ja doch noch das ein oder andere Wörtchen mitreden dürfen. Ein entsprechendes Abkommen aus dem Jahr 1995 gibt es eigentlich schon und bedarf vielleicht nur einer gemeinsame Renaissance aller Beteiligten. Die Beteiligung Chinas als Oberlieger bleibt dabei wohl nur eine Utopie. Bleibt die Hoffnung auf eine Zusammenarbeit zwischen Vietnam, Thailand, Kambodscha und Laos.

In diesem Sinne geht es von Kratie in einem Rutsch weiter nach Laos. Schauen wir uns doch mal an wie diese Fluss-Nährstoff-Räuber so drauf sind! :)
 

Wo wir sind...

Zentral & Südamerika
Position Hawaii
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Literatur & Filme

Cambodias Curse von Joel Brinkley [Buch]
Kambodschas Geschichte von Vorgestern bis Heute

Rumour of Spring von Max du Preez
[Buch]
Südafrika nach 20 Jahren Demokratie


Spielball Erde von Claus Kleber: [Buch], [Dokumentation], [IPad-App]
Kampf um knappe Ressourcen

12 Years a slave
[Buch],[Film]
Wahre Geschichte eines entführten und versklavten Amerikaners

Webseiten

Kiten im Paradies bei D&D Kitetravel

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