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Von britischen Flotten und kolumbianischen Drogenkartellen

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Noch lange mit dem Gefühl einer frischen Meeresbrise um die Nase stürzen wir uns ins Sightseeing, ins Entdecken von Kolumbiens größten Städten und ins Staunen im Angesicht von Moderne und Fortschritt.

Angefangen mit Cartagena, dem Zielhafen unserer Segelbootreise, verbringen wir noch ein paar schöne Tage an der Karibikküste. Auch wenn man hier vom Strand nicht so viel mitbekommt, hat die Stadt doch so allerlei zu bieten. Angefangen mit einer wirklich schicken, bunten Altstadt. Wenn sie in Teilen auch wahnsinnig von Touristen überlaufen ist, kann man als Europäer doch ein Gefühl mediterran, von innen heraus herzlich gewärmten und gleichzeig von der Sonne gebratenen Wohlseins nicht abstreiten. Dazu kommt, dass diese Altstadt etwas sehr authentisches hat.

Vielleicht eine eigenartige Aussage, doch besonders in Asien kamen uns „Altstädte“ oft sehr artifiziell vor. Als existierten sie rein für den Nutzen der Kolonialmächte, zeitgemäß gesprochen für die Touristen. In Cartagena ist die Altstadt genau das, was sie sein soll: Im Touriteil finden sich feine Cafés, westliche Bekleidungsläden und eben jede Menge Touristen. Nicht ganz, wie man Kolumbien gerne erleben möchte, aber eine unvermeidliche Folge, wenn eine Stadt einen Touristenmagneten hütet. Im Einwohnerteil ist es eher noch voller mit Menschen. Hier aber mit Kolumbianern, die Bummeln, Erledigungen machen und dick und breit auf dem Bürgersteig quatschen, während die Menschenmassen auf die Straße ausweichen. Manchmal muss man eben nur um die richtige Ecke biegen, um die berühmten „Locals“ selbt im größten Touristengewimmel zu finden.

Unbekümmert von der heilen Altstadt-Welt boomt Cartagena vor sich hin. Noch während wir in den Hafen einlaufen, staunen wir über die Skyline. Wie auch in Panama City, hatten wir hier keine erwartet. Die Stadt wächst und gedeiht, beheimatet knapp 900.000  Einwohner und Kolumbiens wichtigsten Containerhafen für internationalen Handel. Über allem trohnt ein weiterer Schatz aus alten Tagen: eine Festung, die wir uns gleich mal anschauen. Gebaut wurde sie im 17. Jahrhundert, als Spanien noch den Ton angab. Schon damals war Cartagena ein strategisch wichtiger Ort – dachten sich vor allem die Engländer und schipperten ein Jahrhundert später mit 23.600 Soldaten auf 186 Schiffen Richtung Kolumbien. Langes Gemetzel, wenig Sinn: dank der raffinierten Festung und durchdachter Kriegsführung siegte die weniger als 4000 Mann starke Armee der Spanier. Ein wilkommener Sieg, der nach dem Verlust der Armada wie Butter heruntergegangen sein muss. „Vielleicht würden wir heute sonst alle Englisch sprechen“, stellt der Protagonist des liebevoll gestalteten Infofilms fest. Dann also besser Spanisch :-)

Kolumbien ist groß, unser Ziel in weniger als zwei Monaten liegt noch tausende von Kilometern vor uns. So verfolgen wir für diese Woche einen zeitsparenden Reiserhythmus. Drei Tage, zwei Nächte, Nachtfahrt in die nächste Stadt. Etwas ermüdend vielleicht, doch wir fühlen uns hellwach. Es macht richtig Spaß, denn wir kommen voran, sehen immens viel und immer noch dabei sind das Paar Kyle und Carmen. Noch als wir uns in Cartagena zu einem abendlichen Bier treffen, stellten wir fest, dass wir das selbe nächste Ziel ansteuern: Medellín. Für uns beide ein Aufatmer, denn wir hätten uns ungerne schon verabschiedet. Geteiltes Leid ist in diesem Fall außerdem gevierteltes Leid und so können die ruckeligen halbschläfrigen Nachtfahrten unserer Reiselust nichts anhaben. Da kann der Busfahrer die Klimaanlage noch so kalt stellen!

Dem ein oder anderen (meißt der Elterngeneration) ist Medellín wohl besonders im Zusammenhang mit Pablo Escobar ein Begriff. Hier tobte noch vor wenigen Jahrzehnten der Drogenkrieg um Kokain, Macht und Geld. Zuerst das Medelín Kartell gegen das Cali Kartell, bald schon das Medellín Kartell gegen den Rest der Welt. Escobar bewies sich stehts als intelligent, grausam und unberechenbar. Man muss es ihm lassen, mit Geschick und Geld eroberte er die Herzen der armen Menschen. Baute Spielplätze und Wohnhäuser aus eigener Tasche, gewann Wählerstimmen, stieg in der Politik Kolumbiens auf und erhielt dadurch schließlich internationale Immunität. Kein dummer Schachzug für einen Drogenboss.

Etwas gierig wurde er aber doch. Er schlug dem kolumbianischen Staat vor alle ausländischen Schulden zu zahlen, im Gegenzug für die Region um Medellín – einen eigenen kleinen Escobar-Staat in dem es täglich „schneien“ darf. Kokain für alle! Zum Glück sollte es bei einem Vorschlag bleiben, der niemals angenommen wurde. Gleichzeitig wuchs die Kriminalität. Viele Unschuldige starben, bei dem Versuch wenige Schuldige zu ermorden. Kopfgelder auf Polizisten, bombardierte Spielplätze. Bei diesem blutigen Bandenkrieg schrumpfte das Medellín Kartell und endete schließlich mit der Ermordung Escobars im Jahr 1993. Bis heute weiß man nicht, wer ihn getötet hat. Es gibt viele Theorien und beinahe noch mehr „Helden“ die den Abzug gedrückt haben wollen.

Escobar ist bis heute kein einfaches Thema. Manche lieben ihn, manche hassen ihn. Bewunderung für seinen Reichtum. Dank für seine (zweckgebundene) Großzügigkeit. Wut auf seine Grausamkeit. Verzweiflung in Angesicht des Kokains, für dass Menschen leiden, töten und daran zugrunde gehen. Bis heute macht der Handel mit Kokain 2% des Bruttoinlandsproduktes aus. Den Titel der Drogennation, inklusive brutaler Kartellkriege, hat Mexiko Kolumbien allerdings längst abgelaufen.

Derweil hat auch Medellín sich stark verändert. Heute kann man sich kaum vorstellen, wie es in der Stadt vor 25 Jahren ausgesehen haben mag. Bombenanschläge und Schusswechsel, davon ist heute nichts mehr zu erkennen. Jede Menge roter Backstein, eines der pompösesten Lichterfester zur Weihnachtszeit und Kolumbiens einziges Metrosystem (für unglaubliche $0,35 pro Fahrt, wie weit man auch fahren mag), gekrönt von zwei ins System integrierten Seilbahnen. Kunst, Kultur und eine unglaubliche Geschichte. Medellín ist eine Stadt, die man heute nicht mehr zu meiden braucht. Hier gibt es viel zu sehen, zu entdecken und zu essen! :-) Wir genießen unsere Zeit und setzten uns am dritten Abend mit einem weinenden und einem lachenden Auge in den Nachtbus. Es geht in die Hauptstadt, nach Bogotá! Und immer noch dabei sind Kyle und Carmen. Es ist doch zu schön, zusammen zu reisen!

Wo wir sind...

Zentral & Südamerika
Position Hawaii
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Literatur & Filme

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Webseiten

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